ANFANG ENDE HIER JETZT

Gisela Weimann

Multimediale Projekte – Klanginstallationen – Fotografie – Video

Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk zum 70. Geburtstag der Künstlerin

Kuratorin: Uta Koch-Götze, M.A.

Vernissage: 26. April 2013, 18:00

Begrüßung: Christian Kneisel – Intendant, Laudatio: Uta Koch-Götze – Kuratorin, Klangperformance: Ellen Hünigen, Friedemann Graef

Ausstellungsdauer: 27. April – 24. Mai 2013, Mi. – So. 13:00 – 19:00

Ort: Kunsthalle Brennabor, Geschwister-Scholl-Str. 10-13 · 14776 Brandenburg an der Havel

Bilder von Vernissage und Ausstellung

Anfang-Ende-Hier-Jetzt, 1996

Der Ausstellungstitel  bezieht sich auf Gisela Weimanns gleichnamige Klanginstallation zu Olivier Messiaens Quartett für das Ende aller Zeiten (Quatuor pour la fin du temps) und  umfasst wie ein magisches Quadrat Beginn, Endlichkeit, Raum und Zeit. Sie setzt sich diesem existentiellen Thema bedingungslos aus – gerade auch in ihrer unermüdlichen Suche und Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen weltweit. Seismografisch genau spürt sie den gesellschaftlichen Strömungen und Verwerfungen ihrer Zeit nach und reflektiert über Macht und Ohnmacht von Kunst und ihre transformierende Rolle. Als sensible Zeitzeugin bezieht ihre Erinnerungsarbeit gleichermaßen Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges mit ein. Dazu gehört ihre Lust am künstlerisch Experimentellen,  ihre selbstverständliche Verknüpfung der Kulturen und Künste untereinander sowie ihre ihr innewohnende Haltung, Grenzen auszuloten und zu überschreiten. Dabei spiegeln ihre Arbeiten neben ihrem Ernst  gleichermaßen eine Leichtigkeit und Spielfreude, deren Wesen sich gerade aus der Gewissheit menschlicher Endlichkeit zu speisen scheinen. Ein Thema, das sich wie ein Kontrapunkt durch ihr gesamtes Werk zieht, ist die Spiegelung, Spiegelung im übertragenen Sinn in ihren Tagebüchern als Spiegel täglicher Reflexionen und als Spiegelelemente in zahlreichen künstlerischen Arbeiten, in denen sich das große Ganze im Kleinen abbildet. Dafür steht die OPER FÜR VIER BUSSE, 2001 mit großer öffentlicher Resonanz uraufgeführt. Die Ausstellung zeigt im Rückblick eine Video-Dokumentation und vielfältige Exponate als ein signifikantes Beispiel aus der Fülle ihres  kosmopolitisch angelegten künstlerischen Werkes. Dafür steht aber auch die für die Ausstellung titelgebende Installation  ANFANG ENDE HIER JETZT. Diese Rauminstallation verbindet konzeptionelle Idee, politische Reflexion, differenziertes Klangerlebnis und poetisch spielerische Umsetzung zu einem subtilen Gesamtkunstwerk.

ANFANG ENDE HIER JETZT: Das Konzept des imaginären Quartetts aus Audio-Playern, die anstelle der Musiker_innen in einem abgedunkelten Raum auf vier Spiegelstühlen sitzen, stellt eine Analogie zwischen den Assoziationen der Künstlerin und der Entstehungsgeschichte des Quatuor her. Das Stück wurde von Messiaen in dem deutschen Kriegsgefangenenlager Görlitz-Moys für vier Instrumentalist_innen geschrieben. Die Uraufführung fand am 15. Januar 1941 im Lager vor circa 400 Gefangenen statt: „Draußen Nacht, Schnee, Elend und hier ein Wunder“, so beschrieb einer der Musiker die Szenerie. Gisela Weimann bat vier befreundete Komponist_innen (Mayako Kubo/Cello, Franz Martin Olbrisch/Violine, Conrado del Rosario/Klavier, Friedrich Schenker/Klarinette) um ihre Stimme für die vier von Messiaen eingesetzten Instrumente. Wenn Besucher_innen das Musikzimmer betreten, lösen sie aleatorisch die Player mit den von Ellen Hünigen arrangierten Einzelstimmen des Quartetts und kleine Lichtspots aus: immer neu, ohne Anfang, ohne Ende, hier und jetzt.

Uta Koch-Götze, M.A. – galerie futura, Berlin

Im deutschen Bus, 2001

Oper für 4 Busse, 2001