fashion x – genderkritische Perspektiven auf Kleidung und Mode (Programm)

Ausstellungseröffnung beyond fashion von Susanne A. Friedel am 5.7.2013 um 19:00.

I) Produktion von Identität
Identitätsstiftende Aspekte von Mode und Kleidung aus geschlechterkritischer Perspektive
3.7.-6.7.2013

3.7.-4.7. + 6.7.13 Workshop: The body as as sound post-gender instrument

Die während des Workshops entstandenen “Wearables” werden im Projektzeitraum in den Räumen der Galerie ausgestellt und bei der diskursiven Modenschau Dressed for Discourse am 13.7.2013 präsentiert

Quimera Rosa & Transnoise (Performancekünstlerinnenkollektiv, Barcelona / Berlin)

5.7.13, 20:00, Vortrag: Fashion’s Utopias – Über das utopische Potenzial von Mode
Sonja Eismann erörtert gegenwärtige Konzepte und zukunftsträchtige Ideen von Modeentwürfen und Produktion unter Einbezug historischer Perspektiven.
Referentin: Sonja Eismann (Kulturwissenschaftlerin, Journalistin, Hg. von „Absolute Fashion“ (Orange Press 2012), Berlin, Redakteurin Missy Magazin)
Publikumsgespräch

Abstract: Mode haftet bis heute, nicht zuletzt durch ihre Assoziation mit Weiblichkeit, der Ruch des Frivolen und Unaufrichtigen an. Trotz dieser abwertenden Perspektive gab und gibt es unzählige Beispiele für Versuche, mithilfe von textilen Experimenten gesellschaftliche Utopien zu visualisieren. Ob es um die Verwirklichung von Geschlechtergerechtigkeit anhand der Einführung der Frauenhose, um androgyne Utopien durch Unisex-Looks, Mode für alle im russischen Konstruktivismus, emanzipatorische „ethnic fashion“, Veredelung von weggeworfener Überflussware dank „Upcycling“, „Walking Shelters“ für Obdachlose oder Fa(t)shion, also Mode für Dicke, ging und geht – die Ansätze für die Verwirklichung des „guten Lebens“ sind so vielfältig wie die Mode selbst. Dennoch hält sich hartnäckig das Vorurteil von der „oberflächlichen und eitlen Mode“.
Kleidung und die Ausschmückung des Körper sind jedoch kulturelle Praktiken, die für Menschen weltweit und klassenübergreifend jeden Tag von neuem Bedeutung produzieren und nach innen – wie konstruiere ich anhand textiler Versatzstücke eine individuelle Identität? – und außen – wie positioniere ich mich im Kollektiv anhand meiner Kleiderwahl? – aufs Neue verhandelt werden müssen.
Die utopischen Konzeptionen, so der Ausgangspunkt meines Vortrags, bewegen sich immer zwischen den Polen der Funktionalität und der Vielfalt, zwischen einer „fashion to end all fashions“ wie der der russischen KonstruktivistInnen mit ihren Uniformen, und den Visionen einer unendlichen, keine Köperform und -farbe einschränkenden Varianz wie z.B. Fa(t)shion. Kernstück der Analyse ist dabei die Frage, in welcher Weise sich der Wunsch, das Leben der Menschen durch Kleidung „besser zu machen“, in textilen Entwürfen manifestiert und welche soziale Bedeutungen damit aufgerufen werden. Zudem muss der Blick auch auf das finstere Andere der Modeutopie gerichtet werden, nämlich auf die damit, so wird uns suggeriert, unweigerlich einhergehenden Dystopien, die uns beispielsweise in der Existenz von Sweatshops immer wieder in Schreckensmeldungen begegnen. Auch hier soll jedoch nach Antworten, die utopische Strömungen auf diese Herausforderungen geben wollen, gesucht werden. (Sonja Eismann)

6.7.2013, 19:30, Projektpräsentation: Inspired by life
Inspired by life ist eine wachsende, diskursive Modekollektion des rumänischen Künstlerinnenkollektivs h.arta group. Die Künstlerinnen sammeln in verschiedenen städtischen Kontexten Europas persönliche und kollektive Erfahrungen und Ereignisse und arbeiten diese in individuelle Kleidungsstücke ein. In einer performativen Präsentation stellen h.arta das “work-in-progress”-Projekt vor und erörtern die Verknüpfung von Alltag, Erfahrung und Identität mit Mode und Kleidung aus feministischer  Perspektive. Die Modekollektion Inspired by life wird bei der diskursiven Modenschau Dressed for Discourse am 13.7.2013 präsentiert.
h.arta group (Künstlerinnenkollektiv, Timisoara/Rumänien)

6.7.13, 21:00, Performance: [AKLR 2.0] Akelarre Cyborg

“Our work amplifies the body to a wider range of meanings, performing other entities and cyborgs in order to finish with the ideology of gender. We wear electronics and produce noise to open the closed body and destroy representation. Trans bodies generating peripherical optics, diffracted matter in constant change. Our costumes are alchemical instruments that invert fashion, understanding and revealing our natures instead of clothing them.”

Quimera Rosa & Transnoise (Performancekünstlerinnenkollektiv, Barcelona / Berlin)

II) Identität von Produktion
Kleidung und Mode im Spiegel ihrer Produktion
11.7.2013

19:00, Vortrag: I shop, you work. Ein feministischer Blick auf Textilproduktion und ‘saubere’ Kleidung
Im postfordistischen Kapitalismus erscheint uns Konsum oft als Arbeit: Wir arbeiten an unserem Selbst, an unserer Marktfähigkeit, wir sind über unser Konsumverhalten für den gesamtwirtschaftlichen Schwung mitverantwortlich. Gerade das Sich-Kleiden flicht uns in das soziale Sein und dient dem Ausdruck von Individualität und Identität. Mit dieser Arbeit an unserem Selbst beschäftigt verlieren wir immer wieder aus dem Blick, wer den Preis für die billigen Textilien zahlt, die wir in unseren Schränken häufen. Im Globalen Süden arbeiten vorrangig Frauen von der Baumwollernte bis zur letzten Naht zu ausbeuterischen bis hin zu existenziell bedrohlichen Verhältnissen. Der Brand in einer Fabrik in Bangladesch sowie wenige Wochen später der Einsturz eines weiteren Fabrikgebäudes legen vom Ausmaß der Verletzbarkeit der Beschäftigten Zeugnis ab. Der Vortrag erkundet aus feministischer Perspektive Textilproduktion und -konsum als vergeschlechtlichte und vergeschlechtlichende Zusammenhänge. Im Vordergrund steht dabei unsere eigene Involviertheit in diese globalisierten Ausbeutungsverhältnisse sowie der kritische Blick auf verschiedene Handlungsmöglichkeiten.
Referentin: Magdalena Freudenschuß (Politikwissenschaftlerin, arbeitet als Post-Doc-Mitarbeiterin am Centre for Digital Cultures, Leuphana Universität Lüneburg, und ist Mitherausgeberin der Femina Politica, Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft)

20:00, Round-Table: Fair fashion? Grenzen und Möglichkeiten fairer Produktion – “glokale” Perspektiven
Akteur_innen aus Modedesign, Modeproduktion, Journalismus und Aktivismus diskutieren über Möglichkeiten und Grenzen, faire Mode zu produzieren und zu verkaufen, über machtvolle Strukturen der Mode- und Werbeindustrie und die damit verknüpften Imaginationen und Wünsche an die identitätsstiftende Funktion von Mode.
Moderation: Julia Lemmle (Kulturwissenschaftlerin und Schauspielerin, lehrt und trainiert zum Thema “Rhetorische Kompetenz” und “Macht & Kommunikation” an der FU Berlin)
Diskutantinnen: Magdalena Freudenschuß (Politikwissenschaftlerin), Stephanie Müller (rag*treasure), Susanne Zmudzinski (110prozentig), Lola Mamerow (Disguised – a political fashion zine)

Veranstalter: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura

21:00, Filmpräsentationen: Situation und Kämpfe von Textilarbeiter_innen aus historischer und gegenwartsbezogener Perspektive – aktivistische und künstlerische Auseinandersetzungen in Bild und Ton

> Der Kleiderhaken – Die Schattenseiten des Freihandels in der globalen Bekleidungsindustrie (Dokumentation, 70 min, D 2006)
Der Film zeigt den Niedergang der hiesigen Bekleidungsindustrie, der von Standortverlagerungen und Fabrikschließungen geprägt ist. Anhand der Mechanismen von WTO und Freihandelsabkommen wird die Globalisierung der Bekleidungsindustrie mit ihren weitreichenden Folgen verdeutlicht. Mehrere Fallbeispiele belegen die Umweltverseuchung im Norden Honduras sowie die gravierenden Lohn- und Arbeitsbedingungen. Das Filmteam begleitete Organisationen und Betroffene in Mittelamerika, die Widerstand gegen Fremdbestimmung und Ausverkauf der Ressourcen leisten. Zudem interviewte es Politiker_innen und Unternehmer_innen. Ein wichtiger Aspekt ist die Beteiligung deutscher Unternehmen, Banken und Konsument_innen.

A wage you can live on (Dokumentation, 15 min, DK 2012)
Der Film zeigt die katastrophalen Auswirkungen von Hungerlöhnen auf Textilarbeiter_innen in Kambodscha und bietet einen guten Überblick über die Problematik. Sowohl Arbeiter_innen, asiatische Gewerkschafter und Arbeitsrechtsaktivisten, als auch internationale Arbeitsrechtsexperten (z.B. von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)) kommen in dem Film zu Wort.
Ein Film von Helle Lovsto Severinsen, produziert für „Clean Clothes Campaign“

>Von Brot und Rosen (Animation (Scherenschnitt, Schattenspiel), 11 min, D 2012)
Der Film erzählt vom großen Streik der Texitarbeiterinnen in Lawrence/USA 1912, der als einer der Schlüsselereignisse zur Gründung des Internationalen Frauentags am 8. März gilt.

In Anwesenheit der Aktivist_innen und Filmemacher_innen: Heiko Thiele (Zwischenzeit / Ak Kraak, Berlin), Bettina Hohorst, Tina Kiel, Mayan Printz (Aktivistinnen / Künstlerinnen, Berlin)

(Die Veranstaltung auf facebook)

 

III) Produktion von Identität – Identität von Produktion
Mode Im Spiegel der Macht: Das Spiel mit Identitäten vor dem Hintergrund ausbeuterischer Produktionsverhältnisse
13.7.2013

20:00 (doors 19:00), diskursive Modenschau: Dressed for Discourse
Die Fragen und Diskussionen aus den verschiedenen Veranstaltungen münden in einer „diskursiven Modenschau“, in der die beiden Themenfelder „Produktion von Identität“ und „Identität von Produktion“ der Veranstaltungsreihe fashionx verknüpft  werden. Dabei ist die Frage nach machtvollen Strukturen zentral, die Kleidung und Mode sowohl als Ausdruck von Identität und Zugehörigkeit als auch im Rahmen ihrer Produktion bestimmen. Die diskursive Modenschau wird als besonderes Format eingeführt, das in spielerischer Form Fragenstränge aufgreift und in praktischen Gestaltungsentwürfen nach Antworten sucht.
Moderation: Anne Kohl und Katharina Koch (Künstlerische Leitung alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura)
Teilnehmende Labels und Modemacher_innen: rag*treasure (München),  Elternhaus (Hamburg), ME ! / … (Berlin / Brüssel), graham`n graham (Berlin),  h.arta group (Timisoara), Transnoise & Quimera Rosa (Berlin / Barcelona), Butchwear (Berlin / Tel Aviv)

Musik: Korhan Erel (Istanbul)

Die Veranstaltungsreihe wird gerahmt von einer Ausstellung mit Exponaten der teilnehmenden Modelabels. Beständiger Teil der Ausstellung ist die Fotostrecke beyond fashion von Susanne A. Friedel.

 

Die Veranstaltung Fair fashion? Grenzen und Möglichkeiten fairer Produktion – “glokale” Perspektiven wird vom Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung veranstaltet

 


mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie

 

 

 

Teil II des Gesamtprojekts “Identität von Produktion” wird freundlich unterstützt von

 

 

 

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