I am a white academic feminist artist. I’ve got no reason to cry

Julia Lemmle

So lautete 2007 meine erste weißseinskritische Selbstpositionierung auf der Bühne, die mir heute naiv und ungeschliffen vorkommt – peinlich, wie gut man von außen meinen eigenen weißen Reflexionsprozess beobachten kann. Gleichzeitig wünsche ich mir mehr von dieser blankziehenden Ehrlichkeit – in all den kompliziert formulierten Diskussionsbeiträgen weißer Kulturschaffender, die letztlich der Abwehr des Themas Rassismus dienen. Selbst Rassismus unbewusst und gewollt zu (re)produzieren, ist eine Erkenntnis die das weiße Selbstbild zutiefst erschüttert. Doch es braucht diese Erschütterung um wirklich etwas zu verändern. Im Selbst, im Handeln, in der Interaktion in den beruflichen und politischen Feldern. Mich interessiert: Wie können weiße Menschen sich so mit ihren Privilegien auseinandersetzen, dass sie in der Lage sind, wirkliche Verbündete zu werden?