Projekte

Welcome to Futuristan. 30 Jahre galerie futura

2016 wird alpha nova & galerie futura 30 Jahre alt. Anlass genug, sich den vergangenen wie gegenwärtigen Positionen, Perspektiven und Utopien der Akteurinnen zu widmen; Dialoge zu initiieren, Bögen zu schlagen, sowie nach Kontinuitäten und Brüchen zu fragen. Das Jubiläumsprogramm umfasst die Präsentation des 30jährigen Archivs der alpha nova & galerie futura (Mai-August 2016), begleitet von Veranstaltungen mit Vorträgen, Gesprächen, Filmpräsentationen, Lesungen und Workshops, sowie eine intergenerative Gruppenausstellung im Kunstquartier Bethanien im August 2016. Im Rahmen dieser finden eine Podiumsdiskussion, Performances, Workshops sowie eine Führung durch die Ausstellung statt.

Welcome to Futuristan. 30 Jahre galerie futura
Das erlebbare Archiv der alpha nova & galerie futura

18.5.- 30.7.2016, Do 13.00-19.00, Fr-Sa 16.00-19.00
10.8.-27.8.2016 nach Anmeldung: mail@alpha-nova-kulturwerkstatt.de

Programmflyer: Archiv_Karte_web

Drächin Futura, Symbol galerie futura seit 1986

Das Archiv von alpha nova & galerie futura wird in Form einer mobilen Struktur mit Bildern, Texten, Katalogen, Dokumenten, Objekten und audiovisuellen Medien unter der Mitarbeit von Künstler_innen, Autor_innen und Theoretiker_innen zwischen Mai und August gesichtet, aufgearbeitet und erstmalig öffentlich zugänglich. Aus den Materialien entsteht eine installative Arbeit, die in prozesshafter und wandelbarer Form die unterschiedlichen Medien in Disposition setzt. Dadurch werden die Geschichten, künstlerischen Biographien und Werke im Wandel und Wirken des Kunstraums spannungsvoll visualisiert. alpha nova & galerie futura hat mehrfach den Standort innerhalb Berlins gewechselt: von Zehlendorf, nach Friedenau bis auf die Grenze zwischen Kreuzberg und Treptow. Ein Fokus der Aufarbeitung liegt darin, die jeweiligen Verbindungen und Bezüge der Galerie zu ihren wechselnden lokalen Umfeldern sichtbar zu machen.

Einladungskarte zur Ausstellung „Künstlerinnen des Künstlersonderbundes in Deutschland – Realismus der Gegenwart“, galerie futura 2005

 

Künstlerinnen International
Videoinstallation und Gespräch mit der Künstlerin Michaela Melián
19.5.2016, 19:00

Film als Experiment. Experimental- und Avantgardefilm von Frauen –
Einblicke in eine besondere Sammlung

Vortrag, Gespräch und Filmpräsentationen von und mit Prof. Dr. Annette Brauerhoch
9.6.2016, 20:00

Wikipedia-Seminare für Frauen* in Kunst und Kultur// Art and Feminism
Workshops mit Wikimedia e.V. und Anett Vietzke
Einführungsworkshop: 18.6.2016, 11:00-18:00
Edit-A-Thon: 9.7.2016, 6.8.2016 und 20.8.2016

Feministische Manifeste: Eine Anleitung zur utopischen Spekulation
Lese- und Diskussionsabende, kuratiert von Felicita Reuschling: 30.6.2016, 7.7.2016 und 14.7.2016, 19:00
Workshop: 14.8.2016, 12:00 mit ninotschka in Kooperation mit v.a.m.p.s.

Blick zurück am Küchentisch
Präsentation des Archivs
Gespräch mit Künstlerinnen und Akteurinnen der alpha nova & galerie futura und Barbara Straka (Schirmherrin Jubiläumsausstellung “Welcome to Futuristan”)
16.7.2016, 16:00

Verena Kyselka, Territory of Beauties, 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welcome to Futuristan. 30 Jahre galerie futura
Ausstellung und Rahmenprogramm im Kunstquartier Bethanien

Ausstellung: 7.8.-27.8.2016, tägl. 14:00-19:00
Eröffnung: 6.8.2016, 19:00

Schirmherrin: Barbara Straka, Kunsthistorikerin, ehem. Direktorin des Hauses am Waldsee Berlin und Präsidentin a.D. der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

Projektraum im Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Die Ausstellung bringt Künstlerinnen verschiedener Generationen zusammen und befragt sie nach ihren einstigen wie gegenwärtigen Verständnissen und Wünschen eines selbstbestimmten künstlerischen Schaffens. Dabei werden ihre Vorstellungen von Arbeits- und Lebensbedingungen jenseits von Ungleichheit, Diskriminierung und Prekarität sowie von gesellschaftlichen (Gegen)Entwürfen thematisiert – letztendlich ihre Visionen vom „idealen Leben“. In der Auseinandersetzung mit emanzipativen Utopien, die von Feminist_innen und Künstler_innen in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, zielt die Ausstellung auch darauf zu ergründen, welche unterschiedlichen Verständnisse der Begriff „Utopie“ im Rahmen künstlerischen Produzierens heutzutage – noch – erfährt und was eventuell an seine Stelle tritt. Mit den Medien Video, Sound, Installation, Objektkunst, Fotografie und Performance entwerfen die Künstlerinnen ihre jeweiligen Perspektiven auf Futuristan.

Künstlerinnen: Nathalie Aguenzo Mba Bikoro, Anna von Holleben, annette hollywood, Verena Kyselka, Katharina Lüdicke, Dorothea Nold, Raha Rastifard, Elianna Renner, Gisela Weimann

Veranstaltung/Ausstellung auf FACEBOOK

Nathalie Mba Bikoro, Future Monuments, 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vernissage Welcome to Futuristan
Begrüßung Frau Dr. Kämper (Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik)
Einführung durch die Kuratorinnen
Musik / Performance (tba)
6.8.2016, 19:00

Futuristan_Berlin
Künstlerischer Workshop mit Mädchen und jungen Frauen zu Utopien und Zukunftsvorstellungen, angeleitet von annette hollywood und Marisa Maza
08.08.-13.08.2016

Rundgang durch die Ausstellung
Die Kuratorinnen und Künstlerinnen führen durch die Ausstellung und laden zum Gespräch ein. Performance von Nathalie Aguenzo Mba Bikoro
13.8.2016, 16:00

Feministische Positionen in Kunst und Politik. Ein generationsübergreifendes Gespräch (AT)
25.8.2016, 19:00

Podiumsdiskussion mit:
Sharon Adler, Gründerin und Herausgeberin von AVIVA-Berlin – Online Magazin für Frauen, Fotografin, Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZURÜCKGEBEN – Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft
Madeleine Bernstorff, Filmkuratorin, Filmemacherin, Autorin, Dozentin
Sandrine Micossé-Aikins, Kuratorin, Kunstwissenschaftlerin, Aktivistin, Geschäftsleitung Kubinaut – Berliner Projektfonds kulturelle Bildung
tba (Anfragen laufen)

Moderatorin: Dr. Marie-Anne Kohl (Geschäftsführerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Musik- und Theaterwissenschaften, Universität Bayreuth, Co-Leiterin alpha nova & galerie futura 2012-2015)

In Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

Katharina Lüdicke, Utopische Behausung, Bernauer Straße, 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hintergrund
Das Projekt FUTURA – Weibliche Visionen in Kultur, Politik und Kunst wurde 1986 in einer politischen Umbruchsituation, dem Jahr der Umweltkatastrophe von Tschernobyl, als experimenteller Ort für gesellschaftliche Gegenentwürfe gegründet. Im Rahmen des Projektes FUTURA bildete die galerie futura einen besonderen Schwerpunkt. Sie wurde zum Laboratorium, um herrschenden Kunstbetriebslogiken eigene Strukturen, Räume und (Re)Präsentationsmöglichkeiten explizit für Künstlerinnen entgegenzusetzen. Die Gründerinnen gehörten vorwiegend der 68er Generation an. Sie waren Repräsentantinnen der zweiten Frauenbewegung und ihrem internationalen Engagement im Kontext der Frauen-Friedens-Bewegung. Zum Symbol für den Widerstand der Frauen nach Tschernobyl in Berlin wurde die Drächin FUTURA, die als Kunstobjekt vielen Demonstrationen vorangetragen und zur Namensgeberin des Projektes und der Galerie gewählt wurde. Das Motto des Jubiläumsjahrs greift unter dem Titel „Welcome to Futuristan“ dieses Thema wieder auf, schlägt den Bogen zu heute und verweist implizit auf die Zukunft.

Welcome to Futuristan. 30 Jahre galerie futura wird kuratiert von Uta Koch-Götze (Gründerin und Leiterin von alpha nova & galerie futura bis 2011), Katharina Koch (Co-Projektleiterin seit 2012), Dorothea Nold (Co-Projektleiterin seit 2015)

Medienpartnerin

 

 

 

„Welcome to Futuristan“ wird gefördert von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen – Geschäftsstelle Gleichstellung, unterstützt mit Mitteln aus dem Bezirkskulturfonds des Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin sowie der Gerda-Weiler-Stiftung

 

 

 

 

Die Veranstaltung „Feministische Positionen in Kunst und Politik. Ein generationsübergreifendes Gespräch“ findet in Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien statt.

___________________________________________________________________________________________

Prekäre Kunst: Protest & Widerstand

Ausstellung (12.09.-16.10.15), Film + Gespräch (16.09.15), Spoken Word (18.09.15), Symposium (26./27.09.15)

Flyer / Programm (pdf)

Fotos Ausstellung “The Company We Keep”

Fotos Symposium “Prekäre Kunst: Protest & Widerstand”

Videos der Symposiumsvorträge (26.9.& 27.9.2015)

Katalog “Prekäre Kunst:Protest & Widerstand” (pdf)

Katalog als Printversion (2,00 EURO) zu bestellen unter mail@alpha-nova-kulturwerkstatt.de

facebook

Die Ausstellung und Veranstaltungsreihe „Prekäre Kunst: Protest & Widerstand“ setzt sich mit Fragen nach strukturellen und Alltagsrassismen im Berliner Kunstbetrieb auseinander. Dafür beschäftigen sie sich zentral mit Fragen von Intersektionalität, d.h. mit dem Zusammenwirken mehrerer Identitätsmerkmale (z.B. race und gender), die nicht einzeln sondern an den Schnittflächen, also Intersektionen, untersucht werden müssen. (vgl. Crenshaw 1991)
Es geht darum, diese sozialen Konstruktionen als Diskriminierungsformen in ihrer Ganzheit tatsächlich zu begreifen. Dazu greifen wir den von der US-amerikanischen feministischen Wissenschaftlerin und Aktivistin bell hooks formulierten Ansatz auf, die Strukturen Imperialismus, Patriarchat, weiße Vorherrschaft und Kapitalismus immer in ihrer Verknüpfung und Interaktion zusammenzudenken. Diesen Ansatz möchten wir als Ausgangspunkt nehmen, um den Berliner Kunstbereich als ein von weißen, nicht-migrantischen, meist männlichen Akteur_innen dominiertes Handlungsfeld einer kritischen Bestandsaufnahme und Befragung zu unterziehen.
Schwarze Künstlerinnen und Kuratorinnen sowie Künstlerinnen und Kuratorinnen of Color sind in diesem Handlungsfeld, mit wenigen Ausnahmen, weder Entscheidungsträgerinnen, noch gibt es eine gewichtige Anzahl von selbstgestalteten Räumen, in denen sie sich präsentieren können beziehungsweise sich repräsentiert fühlen. Sie erfahren diese Strukturen nicht nur als rassistisch, sondern auch als geschlechterdiskriminierend und erleben so ihr Arbeitsfeld „Kunst“ in mehrfacher Hinsicht als ausschließend und prekär.
Anhand der Frage nach Möglichkeiten der Aneignung, Unterwanderung oder dem Produzieren alternativer Kontexte soll ein Dialog über die verschiedenen Strategien entstehen, wie kulturschaffende Schwarze Frauen und Frauen of Color strukturellem Rassismus, Alltagsrassismus, Sexismus und den Erfahrungen von Marginalisierung und Nicht-Repräsentation im weißen Kunstbetrieb entgegenwirken (können). Strategien können angewandt werden, um Protest auszudrücken, sie können aber auch widerständig sein, indem z. B. eigene Strukturen/Räume geschaffen werden.
Gleichzeitig soll darüber beraten werden, inwiefern (Kunst-)Räume wirkliche Inklusion ermöglichen können und welche solidarischen Praxen dafür Voraussetzung sind. Das beinhaltet auch eine kritische Selbstbefragung und Reflexion weißer Akteur_innen des Kunstbereichs nach realen Perspektiven, „ihre“ Räume und somit ihre Privilegien zur Disposition zu stellen.
Das Projekt möchte diskriminierende Strukturen und Repräsentationspraktiken markieren, aufbrechen und langfristig verändern. Durch die rassismus- und sexismuskritische Auseinandersetzung soll eine nachhaltige Diskussion über Möglichkeiten inklusiver, solidarischer Praxen sowie die Bildung von Netzwerken und Allianzen gestärkt werden. Wir erhoffen uns nicht nur punktuellen Austausch, sondern eine fortführende Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden zu initiieren. Es sollen nicht nur Akademiker_innen und „Expert_innen“ erreicht werden, sondern durch die Verknüpfung verschiedener künstlerischer, aktivistischer und wissenschaftlicher Formate ein vielfältig engagiertes und interessiertes Publikum.

The exhibition and event series “Precarious Art: Protest and Resistance” confronts the subject of structural and everyday racism within the Berlin art establishment. At the center of this inquiry is the concept intersectionality, meaning the interaction of various identifying characteristics (e.g., race and gender) that must be examined at their intersections rather than individually. It is necessary to effectively recognize these social constructs, in their entirety, as forms of discrimination. For this purpose we use an approach cemented by bell hooks, the US American feminist academic and activist, that consistently connects the structures of capitalism, imperialism, patriarchy and white supremacy in their entanglement and interaction. We would like to use this approach as our point of departure in order to subject the Berlin art establishment as a white, non-migrant, mostly male-dominated domain to a critical review and survey. With few exceptions, black women artists and women artists of color are not the decision makers in this sphere of activity. Further, there are few spaces in which they can present their work or in which they feel represented. They experience these structures not only as racist but also as sexist and therefore encounter their work area, “art”, in many respects as exclusionary and precarious.
On the basis of the question of possibilities to adopt, infiltrate, or produce alternative contexts, a dialogue on the different strategies should emerge, how Black women and women of color, as creative artists, can counteract structural racism, everyday racism, sexism, as well as their experiences of marginalization and non-representation in a white art establishment. Strategies can be practiced as an expression of protest; they can also implemented in form of resistance through creating new structures and spaces. At the same time, it should be discussed to what extent (art) spaces can provide true inclusion and what solidarity practices are imperative to do so. This discussion will include a critical self-analysis and reflection of actual perspectives on the part of white actors in the art scene in order to put their spaces and thereby their privilege at disposal.

The project seeks to highlight, break down, and introduce long-term changes in discriminating structures and representation practices. With an examination of racism and sexism, an enduring discussion should be strengthened around possibilities for more inclusive and joint practices as well as the formation of networks and alliances. We hope to achieve more than an exchange at one point in time, rather we strive for a continued discussion with participants. In bringing together varying formats in art, activism and academia, we aim to engage a diverse audience.

Programm

Ausstellung THE COMPANY WE KEEP (12.09.-16.10.2015)

Installation – Malerei – Video

Melody LaVerne Bettencourt, Karina Griffith, Lerato Shadi

Eröffnung / Opening : Sa., 12.09.15, 19:00
Artist Talk (engl. / dt.): Sa., 12.09.15, 20:00

In ihren Arbeiten beschäftigen sich die Künstlerinnen mit den Themen Rassismus und Marginalisierung Schwarzer kulturschaffender Frauen und Frauen of Color sowie mit Strategien der Selbstermächtigung.

http://melodylavernebettencourt.com/
www.karinagriffith.com/
www.lerato-shadi.net/

 

Film + Gespräch
Mi., 16.09.15, 19:00

ERIS
36 min., UK 2012, engl.
Regie: Claire Hooper

“An exploration of strength, tracing the experiences of Danielle Marie Shillingford, a woman who has lost and struggles to regain custody of her children. In the film, the slippages between Danielle and her god-like alter ego Eris, the goddess of strife and discord, create a continuous blurring between the fantastical, the superhuman and the absolutely mundane.” (Claire Hooper)

Publikumsgespräch mit der Schauspielerin Danielle Marie Shillingford. (engl.)

www.iffr.com/professionals/films/eris/
www.ica.org.uk/whats-on/performance-eris-path-er-claire-hooper

 

Spoken Word
Fr., 18.09.2015, 19:00

mit Bahati, Chantel C. und Njideka

Das Genre Spoken Word hat seine Wurzeln in der mündlichen Überlieferung. Es kann sowohl Elemente von Musikrichtungen wie Rap, Hip Hop, Jazz, Rock, Blues und Folk als auch Konzepte aus den Bereichen Theater und Geschichtenerzählen beinhalten. Charakteristisch spielerisch im Rhythmus und Wortspiel sowie in der Wiederholung und Improvisation konfrontiert Spoken Word oft Themen der sozialen Gerechtigkeit, Politik und Community.

 

Symposium
Sa., 26.09.15 und So., 27.09.2015
Das Symposium ist interdisziplinär angelegt und bringt sowohl Wissenschaftlerinnen als auch Kulturschaffende, Künstlerinnen und Aktivistinnen zusammen. Dabei werden Vorträge, Podiumsdiskussionen und Filmvorstellungen angeboten, die sich mit Themen des strukturellen sowie des Alltagsrassismus im Kunstbetrieb auseinandersetzen. Ziel ist es, Strategien und solidarische Praxen auszuloten, um rassistischen Strukturen entgegenzuwirken.

26.09.2015: Wann Protest, wann Widerstand? (10:00-18:00)

Protest und Widerstand stehen beide am Anfang sozialer Veränderungen. Dabei findet Protest innerhalb, Widerstand außerhalb der bestehenden hegemonialen Strukturen statt. Wann und unter welchen Bedingungen erscheint die eine, wann die andere Strategie sinnvoll und wirksam?

10:00 Begrüßung / Einleitung
Dr. Stacie CC Graham, Katharina Koch, Anne Kohl (Kuratorinnen)

10:30 Race, Precarity And Artistic Labour In Berlin
Dr. Onur Suzan Nobrega (Medien- und Kulturwissenschaftlerin)

12:15 Being is one thing… – Protest und Widerstand
Sandrine Micossé-Aikins (Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin, Aktivistin)

14:40 Film / Diskussion: Die Umzüge (07 min.,  D 2013)
Karina Griffith (Künstlerin)

The film is a non-verbal exploration of the filmmaker’s reaction to witnessing blackfacing in Germany: one of confusion, fear, anger and compassion.

http://www.karinagriffith.com/#die-umzuge-crude-processions

15:15 Performanz analysieren im karibischen Raum
Dr. Daniele Daude (Theater- und Musikwissenschaftlerin, Violinistin, Aktivistin)

17:00 Podiumsdiskussion: Wann Protest, wann Widerstand? mit Dr. Daude, Micossé-Aikins, Dr. Nobrega

Moderatorin: Rena Onat (Kunst- und Medienwissenschaftlerin, Gender Studies)

27.09.2015: Die Illusion der Post-Gender und Post-Racial Gesellschaft (13:00-19:30)

Ist es möglich nur noch über Dynamiken, Prozesse und Strukturen zu sprechen, ohne auf die spezifischen Parameter der einzelnen Identifikationsmerkmale einzugehen? Mit dem Fokus auf Intersektionalität soll das Ineinanderwirken dieser Strukturen befragt werden. Dabei stehen u.a. Berliner Kunsträume, insbesondere so genannte off spaces, die sich häufig als aktivistisch verstehen, sowie deren Strukturen und Repräsentationspraktiken zur Diskussion.

13:00 Begrüßung und Zusammenfassung des 1. Tages

13:15 Weiße Räume öffnen?! Von Repräsentationskritik zu Selbstrepräsentation – Möglichkeiten und Grenzen. Praxiserfahrungen einer Kuratorin of Color
Iris Rajanayagam (Kuratorin, Wissenschaftlerin)

15:00 I am a white academic feminist artist. I’ve got no reason to cry
Julia Lemmle (Coach, Performerin, Aktivistin)

16:30 Film / Diskussion: PAST PRESENT TENSE (32 min., D 2014-15, dt. mit engl. UT)
Christa Joo Hyun D’Angelo (Künstlerin)

The video essay examines the idea of German nationality and it’s racial borders within German society.
www.christajdangelo.com

Publikumsdiskussion (engl.)

18:00 Abschlussdiskussion mit Bettencourt, D‘Angelo, Dr. Daude, Griffith,  Lemmle, Micossé-Aikins, Dr. Nobrega, Rajanayagam, Shadi.  (dt./engl.)

Moderatorinnen: Kuratorinnenteam (Dr. Stacie CC Graham, Anne Kohl, Katharina Koch)

 

Musik
So., 27.09.2015, 20:00

mit 3 women
Jeannine Mayani, Gonza Ngoumou,  Bona Ngoumou

www.3womenandthebass.com/

 

***************************************************************************

Kurzbiographien Teilnehmer*innen

***************************************************************************

“Prekäre Kunst: Protest & Widerstand” wird kuratiert von: Dr. Stacie CC Graham (Graham ‘N Graham), Katharina Koch & Anne Kohl (alpha nova & galerie futura)

Gestaltung und kuratorische Assistenz: Dorothea Nold

 

Medienpartnerin

 

 

 

“Prekäre Kunst: Protest & Widerstand” wird gefördert durch

 

 

 

Das Symposium  findet in Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung statt.

 

 

______________________________________________________________________________________

Workshop Kunst Krise – feministische Positionen

Datum: 8. + 9.11.14, 10:00 – 18:00 Uhr

Konzept

Mit dem Workshop möchten wir aus feministischer Perspektive den Berliner Kunstbereich, in dem wir uns in unterschiedlicher Weise bewegen und zu dem wir uns zugehörig fühlen, als prekäres Arbeitsfeld befragen. Dass die Arbeitsbedingungen von vielen Kulturschaffenden immer prekärer werden ist kein neues Phänomen und geht einher mit der generellen Prekarisierung vieler Arbeits- und Lebensbereiche durch steigende Mieten, unzureichende Entlohnung, unsichere Bedingungen und Reduzierung sozialer Leistungen und Förderungen, um nur einige Aspekte zu nennen.

Mit diesen Entwicklungen, die wir mit dem Begriff Krise fassen möchten, haben sich in den letzten Jahren bereits Akteur_innen aus Kunst, Kultur, Aktivismus und Wissenschaften in zahlreichen kritischen Auseinandersetzungen, Diskussionen und Debatten beschäftigt und daraus unterschiedliche Strategien und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln versucht.

Wir wollen deshalb nicht erneut nur die prekären Bedingungen thematisieren, sondern die anhaltende Krise als Ausgangspunkt nehmen, um sie hinsichtlich ihrer produktiven und kreativen Potenziale zu untersuchen. Dazu möchten wir gemeinsam potentielle (queer-)feministische Perspektiven und Ansätze ausloten und sie als Möglichkeiten politischen Agierens diskutieren und stark machen. Basis einer solchen feministischer Perspektivierung bildet für uns die kritische Auseinandersetzung mit machtvollen Strukturen und ungleichen Zugangsbedingungen, die auf Gender, race, auf sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen von Akteur_innen basieren, sowie mit Ein- und Ausschlüssen, die den von uns adressierten Kunstbereich strukturieren. Welche Rolle spielt etwa Gender in den generellen Diskussionen zu Kunst und Krise, welche Ausschlüsse würde wiederum eine Fokussierung auf Gender reproduzieren? Diesen Auseinandersetzungen sollte die Reflexion über unsere eigene Involviertheit und Reproduktion dieser Strukturen immanent sein. Gleichzeitig geht es darum, Formen von Solidarität und Kollektivität auszuloten und stark zu machen sowie Strategien zu entwickeln, um in die herrschenden krisenhaften Verhältnisse und Strukturen zu intervenieren und diese herauszufordern. Wie kann „die Krise“ (globale ökonomische und gesellschaftliche Krise) effektiv genutzt werden, um vice versa sich verschärfende gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse in die Krise zu bringen?

 Umsetzungsformat

Für das gemeinsame Eintauchen in die Thematik bieten wir einen zweitägigen Workshop an. Im ersten Teil des Workshops steigen wir mittels vier kurzer Inputreferate von Chantel C, Inga Zimprich, Sandrine Micossé-Aikins und Katharina Koch mit Anne Kohl ein. Im Anschluss werden deren Fragestellungen in Kleingruppen in Anlehnung an das Format eines „World-Cafés“[1] bearbeitet und abschließend deren Ergebnisse in der großen Runde zusammengetragen und Gemeinsamkeiten und Differenzen diskutiert.

1. Input „Community“ (Chantel C)

Im Sinne von Cathy Cohens als radikal bezeichneter Theorie wären Schwarze, POC und queere Künstlerinnen stärker, wenn sie gezielter zusammen arbeiten würden. Auf der anderen Seite haben diese Communities unterschiedliche Interessen und Bewegungen, die sie vertreten. Was ist möglich, was ist sinnvoll? Wie wird das unter Berücksichtigung von Intersektionalität verstärkt oder gelindert?

2.Input „Feministische (Kunst-)Räume heute“ (Anne Kohl/ Katharina Koch)

Welche ideellen Ansprüche verknüpfen sich heute mit der Produktion feministischer (Kunst-)Räume, und mit welchen Realitäten werden diese konfrontiert? Die alltägliche praktische Arbeit lässt uns regelmäßig auf Grenzen stoßen die uns daran erinnern, selbst Teil von machtvollen Strukturen zu sein, die explizite und implizite Ausschlüsse (re-)produzieren. Diese Grenzen betreffen u.a. Fragen von fairer Bezahlung und prekären Arbeitsbedingungen, vom Pro und Contra, sich kunstmarktorientiert auszurichten, sowie die Frage nach den tatsächlichen (aktiv teilhabenden) Akteur_innen dieser Räume. Was bedeutet in diesen Zusammenhängen eine solidarische Praxis? Im Workshop wollen wir gemeinsam den Widersprüchen begegnen sowie über Visionen und realistische Möglichkeiten diskutieren.

3. Input „Problematisierung des westlichen Kunstkanons“ (Sandrine Micossé-Aikins)

Schwarze und POC Künstlerinnen definieren ihren Erfolg als Künstlerinnen oft anders und verfolgen dementsprechend verschiedene Strategien, ihre Visionen umzusetzen. Jedoch ist eine Künstlerin erst dann von der herrschenden Meinung als erfolgreich zu bezeichnen, wenn ihre Kunst auch im Rahmen des weiß-europäischen Kunstkanons weit verbreitete Anerkennung erlangt. Somit wird die Frage immer wieder aufgeworfen und diskutiert, ob Schwarze und POC Künstlerinnen ihre eigenen neuen Räume schaffen sollten, um sich endgültig von der Akzeptanz eines veralteten Ideals, das immer noch für die Unterdrückung nicht-weißer Menschen steht, zu befreien? Oder lohnt es sich, die Aufmachung der alten, rigiden und noch allgemein gültigen Strukturen anzustreben?

4. Input „Wie arbeiten wir in selbstorganisierten Gruppen?“ (Inga Zimprich)

Im Kunstfeld wird ein Großteil nicht als Arbeit gekennzeichneter Tätigkeiten von Frauen geleistet. Insbesondere das Erhalten und Pflegen von Strukturen und der Community übernehmen Frauen auch im nicht-kommerziellen und selbstorganisierten Bereich oft ohne Bezahlung oder unterbezahlt. Forderungen nach Ausstellungshonoraren decken diese Tätigkeiten nicht ab. Wie gelingt es uns, von dieser Arbeit zu sprechen und sie anzuerkennen? Im Versuch, uns gegen prekäre Arbeitsverhältnisse zu wehren, arbeiten wir in Gruppen und Kollektiven. Doch gesellschaftlicher und ökonomischer Druck wirkt auch in unsere selbstgewählten Arbeitsbeziehungen hinein, insbesondere in einem so grundsätzlich durch Beziehungen und Informalität geprägten Feld wie der Kunst. Wie gehen wir in Gruppen mit Misstrauen, Wettbewerb und Konkurrenz um? Welche Mittel haben wir, sie zu adressieren und so ein langfristiges, gemeinsames Arbeiten zu ermöglichen?

Im zweiten Teil des Workshops soll das gesammelte Wissen konkret ausgearbeitet werden. Ziel ist das gemeinsame Erarbeiten eines Zines. Die Beiträge für das Zine können in einzelnen AGs entstehen, z.B. ein kurzer Text mit Begriffsdefinitionen, ein politisches Manifest, ein Brettspiel oder Formulierungen von Strategien, Taktiken und Praktiken. Das Zine soll im Rahmen des für 2015 von Chantel C und alpha nova & galerie futura geplanten Symposiums zum Thema „Women Artists of Color in Berlin“ vorgestellt werden.

Workshop-Teilnehmende
Für den Workshop laden wir gezielt eine Gruppe von ca. 20 Teilnehmenden ein, die sich in ihrer Praxis auf unterschiedliche Weise bereits mit den angesprochenen Themenfeldern auseinandergesetzt haben.

_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

VAGINALE 2014

Das Festival für untenrum: Ausstellung und Veranstaltungsreihe kuratiert von Pussystübchen und sissi ♥ ♥ zweizwei

Vernissage: 01. Februar 2014, 20:00
Ausstellungsdauer: 02. Februar – 28. Februar 2014
Öffnungszeiten während der Veranstaltungen sowie nach Verabredung

- no one turned away for lack of pussy but assholes will be kicked out -

Programm:

Sa, 1.2., 20:00: Vernissage  mit Kunst von Sissi (zweizwei.com) – pussi ist programm – als langjährige tropfsteinhöhlenführerin & enkel einer hebamme, die weit über 30 000 mösen in rumänien & brd studiert hat. in der ausstellung der VAGINALE 2014 zeigt sissi ♥ ♥ visuelle interpretationen von pussis, entstanden nach genitalspender*innenaufrufen – in malerei, zeichnung, fotografie/streetart & film.

+ Audioinstallation von quEAR – dem transtonalen Ohrenfest

Vernissage u.a. mit Konzert von Strawberry Kaeyk und Performancekunst von Jenny Wan Tale und Ann Antidote

Mi, 12.2., 19.30: “Der Schwangerschaftsabbruch gehört zum Leben dazu”. Ein Abend mit Film und Talk von Sarah Diehl

Vortrag und Film zum Recht auf Abtreibung international.
In den meisten Ländern ist der Schwangerschaftsabbruch immer noch illegal oder aufgrund seiner Stigmatisierung nicht zugänglich. Weltweit sterben etwa 48.000 Frauen aufgrund dieser Illegalisierung, etwa 5 Mio. tragen schwerwiegende Gesundheitsschäden davon. Weltweit versuchen Konservative, mit der Fokussierung auf die Rechte des Embryos, die Lebensrealität und die Bedürfnisse von Frauen unsichtbar zu machen.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Gesetze und Bewegungen, die Frauen davon abhalten ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Im Anschluß präsentiert Sarah Diehl ihren Film “Abortion Democracy – Poland/South Africa”:

“Abortion Democracy: Poland/South Africa”
Deutschland 2008, 50 min.
Sprache: Englisch/Polnisch mit deutschen Untertiteln
Regie: Sarah Diehl

Warum ist der Zugang zu einer illegalen Abtreibung in Polen leichter als zu einer legalen Abtreibung in Südafrika? Der Film vergleicht die politischen, legislativen und gesellschaftlichen Entwicklungen bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs in den Ländern Polen und Südafrika.
http://www.abortion-democracy.de/

Sarah Diehl ist Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin und arbeitet seit acht Jahren zu reproduktiven Rechten von Frauen weltweit.

So, 16.2., 16:00: Pussystübchen

Ein PUSSYSTÜBCHEN klingt gemütlich und ist es auch: die Besucher_innen können sich über Anatomisches, Historisches oder Gesundheitliches informieren, in einer Heftchen-Sammlung stöbern oder ein Pussyportrait mit der Polaroid machen.

Das PUSSYSTÜBCHEN glänzt außerdem mit einer beeindruckenden Pussysammlung, die eben von den Anwesenden gebastelt wurden und werden. Alle möglichen Materialien stehen dafür bereit: Farbe, Tacker, Stoffreste, Klebepistole, Gummischläuche, Holzscheiben, Glitzer, Schaumstoff, Kartoffeln und vieles mehr. Die bereits fertigen Exponate können bewundert werden, ihre Schönheit und Vielfalt ist atemberaubend.
Zur Stärkung danach gibt es Pussykuchen, nach preisgekröntem Rezept bereitet. Alles rund ums Thema Pussy soll sich mischen: Expert_innenwissen, sich austauschen, Fragen stellen, Bilder malen, Listen machen. Das PUSSYSTÜBCHEN ist eine Installation und Veranstaltung von Pia Thilmann und Mimi Vogt, erstmals 2005 beim LFT in Berlin gestartet, 2006 nochmal in Berlin wiederholt, nach San Francisco und Kopenhagen gewandert, um 2007 wieder nach Berlin zurückzukehren, zum Mösenmonat März und ins Schwule Museum. Dann ging’s nach Graz, in die Berliner Bastelleria und ins Silver Future und nun laden wir ein in die Galerie Futura!

Mi, 26.02., Workshop/Talk zu Testopussies und Neovaginas
mit Kay Garnellen
(Infos und Zeit folgen!)

Fr, 28.2., Finissage

ab 18:00 Filmscreening:
u.a. mit PUSSY TALKS von Magda Wystub D 2014, ca. 15 min Schamlippen, Schamhaare, Schamhügel. Echt jetzt? Ein dokumentarischer Kurzfilm über eine gesellschaftlich verordnete Schamzone und das Wiederentdecken eines Körperteils, der im Alltagsdiskurs unserer vermeintlich emanzipierten Welt viel zu wenig positive Beachtung erfährt.

ab 20:00 sexpositive, cunt-loving performances (18+)
u.a. mit kay garnellen & sadie lune, annemarie schalk-scheibe
& Musik auf den Plattentellern von Viehöhlala Vabulous

 

mehr infos:

https://www.facebook.com/events/645143978880930/?fref=ts

Die Vaginale 2014 findet in Kooperation mit dem Verein alpha nova-kulturwerkstatt. Weibliche Visionen in Kultur, Politik und Kunst e.V. statt. Sie wird nicht aus Mitteln der Senatsförderung für Frauen- und Gleichstellungspolitik finanziert.

_______________________________________________________

fashion x – Genderkritische Perspektiven auf Kleidung und Mode

3.7.-13.7.2013 (Programm)

Bilder Eröffnung “fashion x” am 5.7.2013

Bilder “Inspired by life” und “Akelarre Cyborg” am 6.7.2013

Bilder “Mode im Spigel ihrer Produktion” am 11.7.2013

Bilder DRESSED FOR DISCOURSE – diskursive Modenschau am 13.7.2013

CALL FOR LABELS

"beyond fashion" , Susanne A. Friedel

fashion x ist eine zweiwöchige Veranstaltungsreihe im Juli 2013 mit Vorträgen, Round-Tables, Filmpräsentationen, Workshops, Performances und einer „diskursiven Modeschau“ sowie einer Ausstellung der Fotostrecke “beyond fashion” von Susanne A. Friedel.

Kleidung scheint uns auf den ersten Blick als etwas rein Alltägliches. Und selbst wenn wir uns jeden Tag neu entscheiden, was wir zu welchem Anlass bzw. in welchen Situationen tragen wollen oder uns angemessen erscheint, treffen wir die Wahl meistens ohne tiefere Reflexion darüber. Sie gehört zu unseren alltäglichen Routinen. Erst ein zweiter Blick macht deutlich, wie eng unsere Wahl mit Bedeutungen verknüpft ist, die weit über die individuelle, scheinbar freie Entscheidung hinausgehen. Kleidung ist identitätsstiftend. Durch sie markieren wir bestimmte Lebensstile bzw. kulturelle Praxen, denen wir uns zugehörig fühlen (sei es z.B. im religiösen, sozialen, politischen, subkulturellen oder geschlechtsspezifischen Sinne) und machen gleichzeitig deutlich, gegen welche wir uns abgrenzen. Entsprechende Auswahlkriterien liegen der Wahl auch dann zugrunde, wenn diese nicht bewusst getroffen wird. Und wir alle haben gelernt, entsprechende Codes in unsere Kleidung und die unserer Gegenüber hineinzulesen. Kleidung wird somit zum ‚Mittel der Distinktion‘ (Pierre Bourdieu). Und hier kommt die Mode ins Spiel: Denn erst sie ordnet Kleidung in konsumtaugliche Kategorien, indem sie ihr jeweils bestimmte Attribute zuschreibt, nach denen wir sie dann auswählen. Sie folgt dabei gesellschaftlich hergestellten und durch Werbung und Medien (re-)produzierten Körperbildern, Schönheitsidealen und geschlechtlichen Zuschreibungen, die wir in unserem alltäglichen Gebrauch reproduzieren und sie somit normativ werden lassen. Auch das Tragen fairer Kleidung wird in diesem Zusammenhang codifiziert.
Während diese Seite der Modeindustrie ihre Macht subtil und symbolisch ausübt und durch das Hervorrufen von Bedürfnissen das Innerste des bekleideten Individuums beeinflusst, zeigt sich ihre andere Seite als offensichtlich menschenverachtende Fratze. Ein Blick auf die Produktionsverhältnisse von Kleidung und Mode offenbart die kontinuierliche Ausbeutung der vorwiegend weiblichen Produzent_innen durch oft gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen bei schlechter Bezahlung. Lediglich die Orte der Herstellung wandern: die so genannten ‚Billiglohnländer‘ wechseln. Bereits seit Jahrhunderten sind viele Bereiche von Kleidung weiblich besetzt, angefangen bei traditionellen Handarbeiten wie Stricken, Häkeln, Nähen, Weben oder Färben, die maßgeblich von Frauen verrichtet wurden. Im Zuge der industriellen Textilherstellung erhalten diese Tätigkeiten ihre ausbeuterischen Züge. Und es sind nach wie vor überwiegend Frauen, die in den Textilfabriken der Vergangenheit und Gegenwart diese Arbeiten oft unter menschenunwürdigen Bedingungen ausführen.
Die an dieser Stelle nur kurz angerissenen Aspekte Kleidung und Mode betreffend verdeutlichen, wie groß das thematische Spektrum ist. fashion x beleuchtet aus einer dezidiert geschlechterkritischen feministischen Perspektive einige dieser Aspekte intensiver.
Dabei leiten uns Fragen wie:

Welche Strategien werden beim „Spiel mit Identitäten“ eingesetzt und verfolgt?
 Inwiefern können durch (Ver-)Kleidung klassenspezifische und kulturelle Zuschreibungen und Aneignungen sowie stereotype Geschlechterbilder hinterfragt und gebrochen werden?
 Inwiefern können durch alternative Praxen der Modeproduktion konsumorientierte Produktions- und Verwertungskreisläufe sichtbar gemacht und durchbrochen werden?
 Welche Handlungsstrategien in der Auseinandersetzung mit den Produktionsverhältnissen von Kleidung können nachhaltig eine Solidarisierung und Unterstützung der ausgebeuteten Textilarbeiter_innen installieren?
 Welche Potentiale bieten künstlerische Praktiken und Perspektiven?
 Wie könnte eine feministische Modekollektion aussehen, die kritisch mit der eigenen identitätsstiftenden Macht, die kreativ und subversiv mit normativen Geschlechterbildern umgeht und global reflektiert fairere Produktionszusammenhänge fördert?

Das Projekt fashion x möchte unter genderkritischem Ansatz diese verschiedenen Aspekte zusammenführen und nach ihren Verknüpfungen befragen. Die Schnittstellen von Mode, künstlerischer und politischer Praxis stehen im Mittelpunkt dieser Befragung, die auf die Entwicklung neuer Perspektiven und individueller sowie kollektiver Handlungspotentiale abzielt. Dazu laden wir über den Zeitraum von zwei Wochen Künstler_innen, Aktivist_innen, Modemacher_innen und Wissenschaftler_innen ein, sich im interdisziplinären Austausch mit diesen Themenfeldern praktisch, theoretisch, diskursiv auseinanderzusetzen.
In der Umsetzung gruppieren sich verschiedene Formate wie Vortrag, Diskussion, Filmpräsentation, Workshop, Performance und Modenschau um zwei Kernthemenfelder:
Das erste fokussiert die Verknüpfung von Kleidung/Mode und Identität aus geschlechterkritischer Perspektive. Das zweite beleuchtet die feminisierte Produktion von Kleidung/Mode im globalen Kontext und fragt nach den Potentialen, ausbeuterische Produktions- und Verkmarktungsnormen nicht nur zu reflektieren, sondern diese auch Mittels z.B. fairer Kampagnen und alternativer Produktionsstrategien zu unterlaufen. Das Gesamtprojekt mündet in einer „diskursiven Modenschau“, in der beide Themenfelder miteinander in Beziehung gesetzt und diskutiert werden. Dabei ist die Frage nach machtvollen Strukturen, die Kleidung/Mode sowohl als Ausdruck von Identität und Zugehörigkeit als auch im Rahmen ihrer Produktion bestimmen, zentral. Intendiert ist, künstlerische Sichtweisen anzustrengen und nach den Potentialen künstlerischer Medien und Ausdrucksweisen bezüglich des Themenkomplexes zu fragen.

fashion x ist kuratiert von: alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura: Katharina Koch, Anne Kohl in Zusammenarbeit mit Silke Baumann und Dagmar Pelger

___________________________________________________________________________________________________________________________

beRuf Künstlerin – ein Paradigmenwechsel

Rauminszenierungen, Wandarbeiten, Skulpturen, Videoinstallationen, Computeranimationen

Verena Kyselka, Verdächtige in Genf gesichtet, 2001/05, c-print, Irritation Schweizer Banken, Genève

Doppelausstellung galerie futura, Berlin – Frauenmuseum Bonn 2010 / Kunsthalle Brennabor, Brandenburg 2013

Schirmherrin: Dagmar Reim, Intendantin vom RBB

Vernissage: 1. Feb. 2013, 18:00
Begrüßung: Christian Kneisel – Intendant
Einführung: Uta Koch-Götze – Kuratorin galerie futura Berlin
Musikalische Einstimmung
Amy Green – Vocalensemble: Vox nostra
Ellen Hüningen – Vocalensemble: Vox nostra

Ausstellungsdauer: 2. Feb.- 1. März 2013
Öffnungszeiten: Mittwoch – Sonntag, 13.00 – 19.00 Uhr
Ort: Kunsthalle Brennabor, Geschwister-Scholl-Str. 10-13 · 14776 Brandenburg an der Havel

Künstler_innen in ihrer Rolle als Seismograph_innen der Gesellschaft sind Wegbereiter_innen gesellschaftlichen Wandels. In einer Welt der Ratlosigkeit und der verstörenden Erfahrung von der Auflösung vertrauter Gewissheiten werden Künstler_innen zu Protagonist_innen für eine Existenz zwischen Kreativität und Existenzangst. Dabei verkörpern sie eine „Berufsgruppe“, die als solche nicht anerkannt wird. weiter

Bilder Vernissage 1. Feb 2013, Kunsthalle Brennabor (Brandenburg a. d. Havel)

Videodokumentation “beRuf Künstlerin – ein Paradigmenwechsel”

_______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

claim ’n‘ gain – eine genderkritische Spurensuche im Kiez

Skizze: Katja von Helldorff

Projektpräsentation: 27. Okt. 2012, 17:30

Geschlecht als soziale Kategorie (Gender) spielt eine ausschlaggebende Rolle für die potentielle Partizipation und Interaktion im eigenen Kiez und prinzipiell darin, wie Räume wahrgenommen, angeeignet und gestaltet werden. Spuren davon finden sich sowohl in den konkreten Orten selbst (öffentliche Plätze, Läden, Cafés, etc.) sowie in den Geschichten der dort lebenden Menschen. weiter