Race, Precarity And Artistic Labour In Berlin

Abstract Studie

Postmigrantisches Theater und kulturelle Vielfalt in den Künsten:
Rasse, Prekarität und künstlerische Arbeit in Berlin
Onur Suzan Nobrega, Goldsmiths College, University of London

Diese Studie analysiert die Art und Weise wie künstlerische Arbeit rassifiziert und
prekarisiert wird. Sie untersucht die Arbeits- und Lebensbedingungen türkisch-deutscher
KünstlerInnen im Zuge des Institutionalisierungsprozesses des postmigrantischen Theaters
sowie die Umsetzung von kulturpolitischen Massnahmen in Bezug auf kulturelle Vielfalt in
den Künsten innerhalb Berlins Kulturlandschaft. Die Dissertation beleuchtet die Dynamiken,
innerhalb derer sich kulturelle Vielfalt in den Künsten entfaltet sowie die künstlerische
Arbeit, die mit der Praktizierung von kultureller Vielfalt verbunden ist. Das Hauptargument
der Studie ist, dass die Entstehung und Entwicklung des postmigrantischen Theaters als eine
erfolgreiche Etablierung und Institutionalisierung neuer Ästhetiken, Erzählweisen und
politischer Werkzeuge verstanden werden muss, die einerseits die Ankunft türkisch-deutscher
und anderer KünstlerInnen of Colour und der Sprache der kulturellen Vielfalt in den Künsten
inmitten eines neuen globalisierten urbanen Kosmopolitismus, signalisiert. Andererseits
jedoch zeigt die Studie auch auf, dass trotz dieser Ankunft, weiterhin nur ein begrenzter
Zugang für türkisch-deutsche und andere KünstlerInnen of Colour zu den Institutionen der
Hochkultur, prekäre und rassifizierte Arbeitsbedingungen und ein Mangel an materiellen
Resourcen gleichzeitig bestehen bleibt und das obgleich der notwendigen “diversity” Arbeit,
die die KünstlerInnen der postmigrantischen Theaterbewegung leisten.
Als eine kritische Ethnographie, die über einen Zeitraum von sieben Jahren durchgeführt
wurde, zeigt diese Studie das Möglichkeitsfeld und die Restriktionen auf, die türkischdeutsche
KünstlerInnen, die im postmigrantischen Theater arbeiten, in ihrem alltäglichen
Leben und in Verhandlungen über ihre Position im institutionellen Leben, erfahren. Dieses
Feld umfasst ihre Erfahrungen in der künstlerischen Ausbildung, auf dem künstlerischen
Arbeitsmarkt, im Bereich der Kulturpolitik, innerhalb bestehender Förderstrukturen und
öffentlicher Diskurse über Migration, Gentrifizierung, kulturelle Vielfalt und die Künste in
Deutschland. Die Studie zeigt auf wie die Repräsentationspraktiken der postmigrantischen
TheaterkünstlerInnen neue postmigrantische Ethnizitäten produzieren, die eng gefasste
Konzeptionen von Ethnizität, deutscher Kultur, nationaler Identität und Machtverhältnisse in
Deutschlands Theaterlandschaft hinterfragen und zu Veränderungen herausfordern.
Postmigrantische TheaterkünstlerInnen führen durch die Reaffirmierung intergenerationell
übertragender kultureller Erinnerungen und gelebter Erfahrungen der Migration “Akte der
Erinnerung” auf. Diese werden politisch durch “Akte des Gedenkens”, die der langen
Vernachlässigung türkisch-deutscher Geschichte/n entgegenwirken. Schlussendlich
bestimmen die KünstlerInnen der postmigrantischen Theaterbewegung die Bedeutung
kultureller Vielfalt in den Künsten, in dem sie gemeinschaftlich an der Etablierung
nachhaltiger Förderungs – und Beschäftigungsstrukturen innerhalb von Netzwerken der
Solidarität arbeiten und einer zunehmend gut organisierten Bewegung von KünstlerInnen eine
Stimme gibt, die die rassifizierte Arbeitsteilung in staatlich subventionierten Theatern und der
deutschen Kulturlandschaft kritisiert.